Ich kann an alten, privaten Fotos und Fotoalben von Unbekannten, die ich auf Flohmärkten oder in Trödelläden sehe, nicht vorbei gehen. Sie ziehen mich förmlich an. Sie flehen mich an und sagen “schau uns an, wir haben auch versucht die Zeit festzuhalten”, sie erzählen vom menschlichen verzweifelten Bestreben nach Einzigartigkeit, nach Glückseligkeit, nach Liebe und Anerkennung. Und wo sind sie gelandet? In abgelabberten alten Kisten der hintersten Ecke eines Wohnungsauflösungsladens, fernab privater Obhut und voyeuristischen Blicken ausgesetzt. Dann halte ich die Bilder in meinen Händen sage zu ihnen "bei mir seid ihr gut aufgehoben, ich schenke euch ein neues zu Hause, hier dürft ihr weiterleben". Und ein seltenes Gefühl von Zärtlichkeit und Nachsicht der Menschheit gegenüber überkommt mich. Und deshalb sammele ich sie. Um mich in regelmäßigen Abständen mit der Menschheit zu versöhnen.
Eine Sammlerin.
(Foto: Archiv SCHWARZERFREITAG, anonym)
Letzte Kommentare